Zu Thomas Nozkowski Seine Bilder sind Kommentare als Bilder auf die Bilder daneben. Von hier aus kommst du (vielleicht) dahin, nicht? So spielt er jetzt stellvertretend, stellt das historische Spielfeld etwas um, eigentlich war es auch so, nicht wahr. Manche Bilder haben kalkuliert illusionistische Lücken zwischen den Feldern, es scheint, er konnte eine Strecke achtziger Jahre Spiel integrieren. Doch geht es nicht um Ironie, Rethorik, Prachtausweitung oder Intelligenz der Oberfläche. Eher um Malerei als angewandte Poetik: Nozkowski glaubt nicht so sehr an autonome Bildsprache, eher an die Transportfähigkeit von Erfahrung mit Malerei. Er hat einen Instinkt für das Lokale als Medium, das Sammeln der Ausnahmen. Methoden werden angepasst: der Raster flattert, die naive Geometrie bekommt organische Aufgaben und wird Mosaik, der Kompromiß ist nicht Problem, sondern macht Lokalpolitik und kann sich daran freuen. Im Nahen ist das kindlich und albern, verbindet sich aber flexibel mit einer Aufsicht aus großer Höhe: vorbeiziehende Vogelperspektiven, ausgeschnittene Felder, Eisenbahn, Telegraphenmast oder Telefon als strukturgebende Elemente (Postkarte: der späte Mondrian). Die Bilder sind gemalte Wegstrecken der eingebauten Ähnlichkeiten und als kinetamographische Stationen liegen William Baziotes, Forrest Bess, Arthur Dove an der Strecke. Eine noch größere Nähe hat Nozkowskis Arbeit aber wahrscheinlich zu den Bildern von Charles Burchfield (1893-1967), einem seltsamen Maler, der einen naiv-symbolistischen Blick auf die vorrückende industriell-elektrische Wirklichkeit amerikanischer Provinz entwickeln konnte. Mit Burchfield verbindet Nozkowski neben dem Modell von Malerei als gebauter Bildwirklichkeit (durch eine Wiederkehr kindlicher Technikfaszination) auch der Versuch, das visuelle Bezugsfeld "Wirklichkeit" auszudehnen (bei Burchfield sind es Töne, elektrische Ströme etc, die durch die Bilder geistern, bei Nozkowski ausgelassene Erfahrungsinseln zweiten, dritten, vierten Grades, schemenhafte Nebenfiguren, die ihr Äquivalent in verloren gegangenen grafischen Diagrammen finden). Das Einzelbild löst sich immer wieder sprechend aus dem Verband, es tritt auf, und steht doch gleichzeitig als animierter Ausschnitt in der Reihe, in einer gleichgesetzten Format- und Betrachternähe. Die jeweilige Bildzeit ergibt sich aus der spezifischen Materialität: verschiedene Anläufe der Hand zur farbigen Aufschichtung, oder: freigestelltes Form-Umraum-Konglomerat. Die Formen fungieren als Figuren, die - von verschiedenen Seiten und Ecken auf die Bühne kommend - "Motiv" sagen können. Die Arbeitsanordnung könnte so ungefähr sein: das eingesetzte Sujet = die angenommene Motivation, die ausgelegte Motivation = das begonnene Sujet, der Auslöser = der zurückguckende Hintergrund usw. und dann wieder von vorne: den jeweiligen Ausschnitt abwechselnd mit Farbe und Grafik (Zeichen, Grenze, Umriß) markieren, füllen, leeren, freistellen, wegschieben usw. In verschiedener Form: er vertauscht den Ort des Musters, projeziert es auf die Figur, gibt der gemalten Linie einen malerischen Beiraum, füllt manchmal den Nebenraum mit etwas nachlassendem Pathos, setzt kontrastierende Farbtemperaturen in-ein-Ding und präpariert eine freundlichkomische Schlußpointe als Ausgang. Die biographisch verinselten Einzelheiten ("Lebendiges") mit ihren verkappten Charaktären werden konzentriert und zusammengerührt zu einem Gemisch aus emotionaler Nähe und Formdistanz, um auf- und abzutauchen, zu scheinen, zu wechseln, auszuruhen. das ist dann ungefähr wie Aufhebung in das Bekannte plus Aufhebung des Verstandenen |
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Charles Burchfield Charles Burchfield |
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